ROLLEN

Wer bist du, wenn du niemand sein musst?

Vielleicht ist das eine dieser Fragen, die im ersten Moment größer klingt, als sie sein müsste. Denn wahrscheinlich weißt du ziemlich genau, wer du bist. Du kennst deinen Namen, deinen Beruf, die Menschen, für die du da bist, die Dinge, um die du dich kümmerst. Du bist vielleicht Mutter oder Vater, Partnerin oder Partner, Tochter, Sohn, Freundin, Freund, Kollegin oder Kollege. Vielleicht bist du die Person, die organisiert, mitdenkt, auffängt, entscheidet, weitermacht. Die, die morgens weiß, wer wann wo sein muss. Die daran denkt, was noch eingekauft werden muss, welche Nachricht noch beantwortet werden sollte und was auf keinen Fall vergessen werden darf. Und irgendwann wird man ziemlich gut darin. Im Funktionieren. Im Kümmern. Im Erledigen. Im Sein für andere. So gut, dass man manchmal gar nicht merkt, wie viel von einem selbst zwischen all diesen Rollen leiser geworden ist.

Vielleicht liegt genau darin das Merkwürdige:
Keine dieser Rollen ist falsch. Viele davon lieben wir sogar.

Wir wollen für unsere Kinder da sein. Wir wollen Menschen lieben, Verantwortung übernehmen, etwas gut machen, gebraucht werden. Und trotzdem kann es passieren, dass all diese Rollen irgendwann so viel Raum einnehmen, dass kaum noch Platz für die Frage bleibt, wer wir eigentlich sind, wenn gerade niemand etwas von uns braucht.

Nicht als Mutter oder Vater.
Nicht als Partnerin oder Partner.
Nicht im Beruf.
Nicht als die Person, auf die man sich verlassen kann.

Sondern einfach als du.

Vielleicht ist da etwas, das du früher einmal gern gemacht hast und irgendwann aufgehört hast. Eine Art dich anzuziehen, die sich mehr nach dir angefühlt hat. Ein Ort, an dem du anders atmest. Menschen, bei denen du nicht überlegen musst, wie du sein solltest. Vielleicht eine Sehnsucht, die immer wieder auftaucht und die du inzwischen ziemlich gut darin geworden bist, vernünftig wegzuerklären.

Und vielleicht weißt du auf die Frage „Wer bist du, wenn du niemand sein musst?“ gerade überhaupt keine Antwort.

Das ist okay.

Vielleicht geht es heute auch noch gar nicht darum, eine zu finden.

Vielleicht reicht es erst einmal, die Frage wieder zu hören.

Vielleicht nimmst du diese Fragen mit.

Welche Rollen bestimmen gerade den größten Teil deines Lebens?

Wann fühlst du dich nicht zuständig, nicht gebraucht, nicht verantwortlich – sondern einfach nur wie du selbst?

Und was taucht auf, wenn du für einen Moment nicht darüber nachdenkst, was vernünftig, möglich oder von dir erwartet wird?

Du musst darauf heute keine fertigen Antworten haben.

Vielleicht schreibst du nur ein paar Worte auf.
Vielleicht fällt dir etwas erst morgen ein.
Vielleicht bleibt auch einfach nur eine dieser Fragen bei dir.

Das reicht.

Lisa
SOLANGE DU BIST.

🤎

Hinterlasse einen Kommentar